Ein Abend zu Stefan Heym und Friedrich Schorlemmer

Friedrich Schorlemmer (mit Sören Bartol, MdB im Hintergrund) bei einer Lesung in Marburg. 24.09.2009. Foto: Franz Mozer (CC BY-SA 3.0)

An den Bürgerrechtler und evangelischen Theologen Friedrich Schorlemmer und dessen Beziehung zu Stefan Heym erinnert am 10. März eine kommentierte Lesung im Stefan-Heym-Forum Chemnitz. Schorlemmer war Mitbegründer der unabhängigen Menschenrechts- und Friedensbewegung in der DDR und prägte sie maßgeblich. 1983 schmiedete er symbolisch ein Schwert zu einer Pflugschar.

„Unvergessen bleibt mir, welche Motivation und Inspiration in den Zeiten der unabhängigen kirchlichen Friedensbewegung seit 1980 von Stefan Heym, Christa Wolf, Günter de Bruyn und Franz Fühmann ausgegangen waren“, äußerte er später rückblickend.

Heym und Schorlemmer – zwei große Denker, zwei Redner auf der Kundgebung auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989, zwei „Einmischer“, die nicht schweigen können. Der Abend mit Petra Seedorff, Vorstandsvorsitzende der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft, folgt ihren Spuren bis in die 1990er-Jahre.

Termin: Dienstag, 10. März, 19 Uhr, Stefan-Heym-Forum Chemnitz, Moritzstraße 20 (Das Tietz). Eintritt: 3 Euro, ermäßigt: 1,50 Euro.

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Erinnerung an Stefan Heym und weitere jüdische MdB

Foto: DBT / Sebastian Rau / Photothek

„An eine Zukunft glauben. Jüdische Biografien in der parlamentarischen Gründergeneration nach 1945 – eine dokumentarische Annäherung“, heißt eine Ausstellung, die noch bis 6. März in Berlin im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages zu sehen ist. Sie dokumentiert die vielfältigen, heute weitgehend vergessenen jüdischen Biografien in der Gründergeneration des Deutschen Bundestages. Die Ausstellung erinnert an die Schicksale von Abgeordneten, die als Jüdinnen und Juden oder wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden, und würdigt ihr Wirken in den kontroversen Debatten um deutsche Schuld und bleibende Verantwortung.

Stefan Heym ist eine dieser Persönlichkeiten. Er wurde 1994 als parteiloser Direktkandidat für die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) in Berlin-Prenzlauer Berg in den Deutschen Bundestag gewählt. Als Alterspräsident eröffnete der 81-Jährige mit einer viel beachteten Rede die erste Sitzung des Parlaments nach der Wahl. Im September 1995 legte Heym sein Mandat nieder.

Die Ausstellung ist montags bis freitags jeweils von 9 bis 17 Uhr zu sehen, der Eintritt ist frei. Für Einzelbesucher ist eine Anmeldung spätestens zwei Werktage vor dem gewünschten Besuchstermin nötig.

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HeymTour: Per App auf den Spuren Stefan Heyms

 

 

 

 

 

 

 

Mit der mobilen App „HeymTour“ steht erstmals ein Guide für Smartphones zur Verfügung, mit dem sich bedeutende Orte mit Bezug zu Leben und Werk des Schriftstellers Stefan Heym individuell erkunden lassen. Den Auftakt bildet Chemnitz, die Stadt, in der Heym geboren wurde, in der er aufwuchs und deren Atmosphäre ihn geprägt hat.

Vom Standort des Geburtshauses auf dem Kaßberg bis zum Stefan-Heym-Forum im Tietz,
vom einstigen Staatsgymnasium bis zum früheren Verlagskomplex der Tageszeitung „Volksstimme“ an der Dresdner Straße laden 13 Stationen zu individuellen Touren ein. Die Informationen zu den jeweiligen Orten sind als Text in deutscher und englischer Sprache verfügbar (auf Deutsch auch zum Anhören). Zeitgenössische und aktuelle Fotografien sowie eine Karte runden das Angebot ab.

Petra Seedorff, Vorstandsvorsitzende der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft: „Wir freuen uns, im Jahr des 25. Todestages Stefan Heyms mit der App HeymTour einen neuen Zugang zu Stationen des Lebens und Wirkens von Stefan Heym zur Verfügung stellen zu können. Unser Ziel ist es, die App schrittweise um weitere Orte seiner Schaffensbiografie als Schriftsteller und Publizist im In- und Ausland zu erweitern.“

Die kostenfreie App HeymTour steht in Versionen für Android und iOS ab sofort in den jeweiligen AppStores zur Verfügung.

Inhaltlich erstellt wurde die App von der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft. Die technische Realisierung besorgte der Leipziger App-Creator Kuldig. Finanziell unterstützt wurde die Erstellung der App von der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG) und der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 gGmbH.

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Heym-Doku „Abschied und Ankunft“ auf der Leinwand

Die Dokumentation „Abschied und Ankunft“ über Stefan und Inge Heym sowie ihre gemeinsame Arbeitsbibliothek ist auch 2026 wieder in Kinos zu sehen. Die 104-minütige Produktion von Beate Kunath dokumentiert die Vorbereitungen auf die Überführung der Bibliothek aus Heyms Arbeitszimmer in Berlin-Grünau in das in seiner Geburtsstadt Chemnitz neu entstandene Stefan-Heym-Forum. Dort werden die rund 2500 Bücher als Stefan-und-Inge-Heym-Arbeitsbibliothek im Originalmobiliar präsentiert und stehen der Forschung zur Verfügung. Ergänzt um zahlreiche Archivaufnahmen aus Auftritten und Interviews mit Stefan Heym ist mit dem Film ein einfühlsames Doppelporträt entstanden, das überraschende neue Einblicke in Heyms Leben und literarisches Schaffen bietet.

Nächste Termine:

  • Freitag, 17. April, 18 Uhr: Chemnitz, Stefan-Heym-Forum im Tietz (mit Führung)*
  • Dienstag, 27. Oktober, 18 Uhr: Chemnitz, Stefan-Heym-Forum im Tietz (mit Führung)

* in Anwesenheit der Regisseurin

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Zum Jahreswechsel

Blick auf Schwarzenberg im Erzgebirge, Schauplatz eines Romans von Stefan Heym.

Die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2025 zurück. Einen außergewöhnlichen Höhepunkt durften wir mit unserem mehrtägigen Beitrag zum offiziellen Programm der Kulturhauptstadt Europas 2025 in Stefan Heyms Geburtsstadt Chemnitz erleben. Drei Tage lang standen im September Leben und Werk Heyms im Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen, darunter Lesungen, ein Konzert, eine Podiumsdiskussion mit Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow und Gästen aus dem europäischen Ausland. Der Lesemarathon „Chemnitz liest Heym“ mit rund drei Dutzend Veranstaltungen erreichte allein etwa 3000 Menschen, nicht zuletzt dank der Beteiligung mehrerer Schulen und Gymnasien. Viele Besucherinnen und Besucher kamen neu oder sogar erstmals mit Stefan Heyms Literatur und Publizistik in Berührung.

Im neuen Jahr 2026, in dem sich Stefan Heyms Todestag zum 25. Mal jährt, wollen wir gern daran anknüpfen. Mit einem erneut umfangreichen Programm im Stefan-Heym-Forum Chemnitz sowie mit besonderen Projekten und Initiativen. Im Frühjahr vergibt die Stadt Chemnitz zudem turnusgemäß ihren Internationalen Stefan-Heym-Preis. Auch Förderpreise für Projekte, die sich mit Leben und Werk Stefan Heyms auseinandersetzen, stehen in Aussicht. Nähere Details werden in Kürze vorgestellt.

Wir bedanken uns bei allen unseren Mitgliedern, Freunden und Unterstützern, wünschen angenehme Feiertage sowie alles Gute für das neue Jahr!

Mitglied werden und die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft unterstützen?
Wir freuen uns auf Sie! Nähere Infos hier.

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Heym-Filmdoku jetzt auch auf DVD

Foto: B. Kunath/b-k-productions

„Abschied und Ankunft“, eine deutschlandweit in ausgewählten Kinos gezeigte Filmdokumentation über Stefan und Inge Heym und die Geschichte ihrer gemeinsamen Arbeitsbibliothek, ist jetzt auch als DVD erhältlich. Die Produktion der Filmemacherin Beate Kunath begleitet die Vorbereitungen auf den Umzug der umfangreichen Bibliothek aus Heyms Arbeitszimmer in Berlin-Grünau in das neu entstandene Stefan-Heym-Forum in seiner Geburtsstadt Chemnitz. Um zahlreiche Archivaufnahmen ergänzt, ist ein einfühlsames Doppelporträt entstanden, das überraschende neue Einblicke in Heyms Leben und literarisches Schaffen bietet.

Als Bonus-Material sind auf einer zweiten DVD mehr als ein Dutzend Kurzinterviews mit Zeitzeugen enthalten, darunter mit seinem Schriftstellerkollegen Christoph Hein sowie dem früheren ARD-Korrespondenten in der DDR und WDR-Intendanten Fritz Pleitgen.

Kontakt: Die Doppel-DVD „Abschied und Ankunft“ kann bestellt werden unter der E-Mail-Adresse info [at] b-k-productions.de. Preis: 24 Euro (inkl. Mehrwertsteuer und Versandkosten). Nähere Informationen gibt es unter dem QR-Code bzw. hier.

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Zum 150. Geburtstag Thomas Manns

Titelseite des "Deutschen Volksecho", 17. April 1937.

Titelseite des „Deutschen Volksecho“, Ausgabe vom 17. April 1937.

„In meinem Elternhaus“, schrieb Stefan Heym 1965 in einem Beitrag für die Zeitschrift „Sinn und Form“, „war der Künstler eine Respektsperson, der Dichter gar, dessen Wort gedruckt, dessen Name auf einem Buchdeckel eingeprägt war, eine Art Hohepriester. Thomas Mann galt unter den Hohepriestern als der höchste…“

Während seiner Zeit in der Emigration in den USA Mitte der 1930er-Jahre gewann der junge Stefan Heym Thomas Mann neben vielen anderen prominenten Schriftstellern als Unterstützer der in New York erscheinenden antifaschistischen Wochenzeitung „Deutsches Volksecho“. Schon die erste Ausgabe des maßgeblich von Heym betreuten Blattes enthielt einen Text von Mann. Viele weitere über Deutschlands Zukunft folgten.

„Ich kann nur sagen“, so Thomas Mann damals in einem Schreiben an das „Deutsche Volksecho“, „dass ich nach allem, was Sie mir von dem Zweck und der Gesinnung der neuen deutsch-amerikanischen Zeitschrift mitteilen, diese Gründung aufrichtig begrüße und ihr bestes Gedeihen wünsche. Sehr gern ermächtige ich Sie auch, meinen Namen auf Ihre Mitarbeiterliste zu setzen.“

Als der Nobelpreisträger 1938 in die USA übersiedelte, interviewte ihn Heym noch vor der Ankunft an Bord des Atlantik-Dampfers „Ile de France“. „Welch ein Eindruck war das“, erinnerte Heym sich später in seiner Autobiografie „Nachruf“, „der Herr mit der Patriziermanier, der, kerzengerade, die breite Treppe vom Kabinendeck zum Speisesaal hinuntergeschritten kam, huldvoll grüßte, und sich dann tatsächlich herabließ, die Fragen des vor Ehrfurcht ganz heiseren jungen Mannes eine nach der anderen zu beantworten.“

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Vor 95 Jahren: Stefan Heyms früheste Veröffentlichung

19300201 Nie wieder KriegEr begann bereits in jungen Jahren zu schreiben und zu dichten – und er wurde früh gedruckt: Mit dem pazifistischen Gedicht „Nie wieder Krieg!“ erschien vor 95 Jahren, am 1. Februar 1930, in der Chemnitzer Tageszeitung „Volksstimme“ die früheste bekannte Veröffentlichung Stefan Heyms. Der Arbeit des damals noch 16-jährigen Oberschülers, gezeichnet mit seinem bürgerlichen Namen Helmut Flieg, sollten allein bis zu seiner Übersiedelung nach Berlin im Herbst des folgenden Jahres noch mindestens acht weitere Veröffentlichungen folgen. Die von der Sozialdemokratischen Partei herausgegebene Zeitung seiner Heimatstadt, gedruckt in jeweils mehreren zehntausend Exemplaren, blieb dabei zunächst das wichtigste Podium des jungen Dichters. Einige wenige Arbeiten erschienen zudem in Anthologien und kleinen Lyrik-Zeitschriften. Viele dieser frühesten Gedichte gerieten später in Vergessenheit, auch Stefan Heym erinnerte sich ihrer nicht vollständig. „Nie wieder Krieg!“ wurde erst Anfang der 1990er-Jahre wieder entdeckt.

Lese-Tipp: Stefan Heym: „Ich aber ging über die Grenze – Frühe Gedichte“, hrsg. von Inge Heym. (München: C. Bertelsmann, 2013).

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Hartwig Albiro (1931 – 2024)

Die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft trauert um ihr Gründungsmitglied Hartwig Albiro. Der frühere Schauspieldirektor der Städtischen Theater in Stefan Heyms Geburtsstadt Chemnitz verstarb am 31. Dezember im Alter von 93 Jahren.

Albiro galt in Chemnitz bis ins hohe Alter als wichtige Stimme für Demokratie, Freiheit und Frieden. Im Herbst 1989 gehörte er im damaligen Karl-Marx-Stadt zu den ersten Gestaltern der politischen Wende. Er war Mitinitiator des Chemnitzer Friedenstags, den Chemnitz jährlich am 5. März begeht, dem Jahrestag der Bombardierung der Stadt 1945, und der erfolgreichen Bewerbung der Stadt als Europäische Kulturhauptstadt 2025.

Dr. Ulrike Uhlig, die Ehrenpräsidentin der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft: „Ich bin stolz, dass Hartwig Albiro Mitglied unserer Gesellschaft gewesen ist, und traurig, dass die Chemnitzer Kulturszene eine Persönlichkeit mit großer Ausstrahlung verloren hat. Wann immer man Hartwig um Rat und Unterstützung bat, er war da – verlässlich, anregend. Unvergessen sein Vortrag bei der Verleihung des Internationalen Stefan-Heym-Preises an die polnische Schriftstellerin Joanna Bator. Seine kraftvolle, empathische Stimme wird fehlen. Er fehlt, aber er bleibt in unserem Gedächtnis.“

Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.

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„Radek“ neu als Taschenbuch

Mit dem Roman Radek hat der Penguin Verlag die Neuherausgabe von Stefan Heyms Werken in einer Taschenbuchreihe fortgesetzt. Der zum Spätwerk des Autors zählende Roman erzählt die Geschichte des polnisch-russischen Revolutionärs Karl Radek (1885-1939). Er gehörte nach dem Ersten Weltkrieg zu den führenden Vertretern der kommunistischen Bewegung, bevor er unter Stalin in Ungnade fiel. Nach einem Schauprozess im Zuge der „Großen Säuberung“ kam Radek Ende der 1930er-Jahre in einem sowjetischen Arbeitslager ums Leben.
Stefan Heym schrieb den Roman Anfang der 1990er-Jahre. Mittlerweile ist er in einer englischen Übersetzung erschienen.

Der Penguin Verlag bringt seit 2018 Stefan Heyms Romane, Erzählungen und gesammelte Publizistik in einer neuen Taschenbuchreihe heraus. Bislang erschienen sind Gesammelte Erzählungen, Kreuzfahrer von heute, 5 Tage im Juni, Der König David Bericht, Collin, Schwarzenberg, Ahasver sowie der Memoirenband Nachruf. Diese und zahlreiche weiterer Bände sind auch als digitale Werkausgabe in Form von E-Books erhältlich.

Eine Leseprobe finden Sie hier.

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