Stefan Heym

1942. Quelle: Archiv

1942. Quelle: Archiv

Stefan Heym (1913 – 2001) zählt zu den bedeutenden deutschen Schriftstellern des zwanzigsten Jahrhunderts. Aufgewachsen in einem deutsch-jüdischen Elternhaus, trat er bereits in seiner Jugend in Chemnitz und später in Berlin mit gesellschaftskritischen Gedichten und ersten journalistischen Arbeiten hervor. Nach der Übernahme der politischen Macht durch die Nationalsozialisten 1933 musste er als jüngster literarischer Flüchtling Deutschlands ins Ausland gehen. In den Vereinigten Staaten wurde er Chefredakteur der antifaschistischen Wochenzeitung „Deutsches Volksecho“ und schrieb 1942 mit seinem Debütroman „Hostages“ seinen ersten Bestseller. Romane wie „The Crusaders“ (1948, dt.: „Kreuzfahrer von heute“/„Der bittere Lorbeer“), „Der König-David-Bericht“ (1972) oder „Ahasver“ (1981) machten ihn zu einem international anerkannten Autor.

Seit 1952 lebte Stefan Heym in der DDR. Wegen seiner zunehmend kritischen Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen geriet er bald in Konflikt mit der Staatsführung. Nach dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED Ende 1965 konnten Bücher wie „Lassalle“ (1969), „Die Schmähschrift oder Königin gegen Defoe“ (1970) oder „5 Tage im Juni“ (1974) zunächst nur im Ausland erscheinen. Eine zeitweilige Lockerung des Publikationsverbotes endete nach Heyms Unterzeichnung einer Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. 1979 wurde Stefan Heym aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen. Dennoch betrachtete er die DDR weiterhin als seine Heimat.

Stefan Heym am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz. Foto: Hubert Link / ADN-ZB. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1989-1104-039

Am 4. November 1989 in Berlin. Foto: Hubert Link / ADN-ZB. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1989-1104-039

Als Unterstützer der Bürgerrechtsbewegung wurde Stefan Heym 1989 zu einem der wichtigsten Kommentatoren der friedlichen Revolution in der DDR. Nach der Wiedervereinigung zog er 1994 als parteiloser Direktkandidat auf der offenen Liste der PDS in den Deutschen Bundestag ein, den er als Alterspräsident mit einer viel beachteten Rede eröffnete. Im Jahr 2000 erschien sein letzter, bereits Mitte der 1960er-Jahre entstandener Roman „Die Architekten“.

Am 16. Dezember 2001 starb Stefan Heym während eines Aufenthaltes in Israel.

Ausführliche Informationen über Leben und Werk Stefan Heyms sowie zur Sekundärliteratur bietet die Stefan-Heym-Sammlung, deren Portal im Internet unter www.stadtbibliothek-chemnitz/heym zu erreichen ist.

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