Vor 70 Jahren: Heyms Roman „The Crusaders“ erscheint

Die Erstausgabe von „The Crusaders“, erschienen im Herbst 1948 bei Little, Brown and Company in Boston.

Der Verlag war skeptisch: War im Herbst 1948, gut drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, die Zeit tatsächlich schon reif für Romane über den Krieg? Im Fall von Stefan Heyms Epos The Crusaders erwies sich die Sorge letztlich als unbegründet. Der wie seine Vorgänger Hostages (1942) und Of Smiling Peace (1944) auf Englisch geschriebene Roman wurde in den USA, wo Heym seit 1935 lebte, rasch zu einem Verkaufserfolg. Auch im Ausland fand er bald weite Verbreitung und begründete Heyms internationale Anerkennung. Die Gesamtauflage geht in die Millionen; kein anderes Werk Stefan Heyms wurde in Ost und West über Jahrzehnte hinweg so oft gedruckt.

Zeitlich und örtlich orientiert sich die Handlung des Romans deutlich an dem, was Stefan Heym während seiner Zeit als Soldat der US-Armee 1944 bis 1945 in Europa selbst erlebt hat – von der Landung in der Normandie über die Befreiung von Paris, die Eroberung erster deutscher Städte bis zur Ardennenschlacht und dem Tag der Kapitulation. Die beiden Hauptfiguren – der aus Deutschland emigrierte Sergeant Bing und Lieutenant Yates, ein Hochschuldozent in Uniform – weisen ebenfalls Bezüge zu Heyms Biografie auf. Indem Stefan Heym die Handlung über das Kriegsende hinaus gestaltet, zieht er zudem eine kritische Bilanz dessen, was die Alliierten mit ihrem Eingreifen in Europa erreicht haben – und was trotz der Niederlage Nazi-Deutschlands an alten Strukturen erhalten blieb. Damit führt er ein für ihn zentrales Thema literarisch weiter, mit dem er sich seit 1944 bereits immer wieder publizistisch auseinandergesetzt hatte.

Mit der deutschen Übersetzung des Romans, der 1950 in der Bundesrepublik unter dem Titel Der bittere Lorbeer, in der DDR als Kreuzfahrer von heute erschien, wurde Stefan Heym erstmals auch dem deutschen Lesepublikum bekannt. Heinrich Böll bezeichnete den Roman noch Anfang der 1970er-Jahre als „eines der besten und beständigsten Kriegsbücher“. Mehrere Anläufe zu Verfilmungen scheiterten jedoch aus politischen Gründen: Zunächst in den USA wegen der einsetzenden Kommunistenverfolgungen unter Senator McCarthy, in der DDR wenig später angesichts des Kalten Krieges, in der Tschechoslowakei nach der Niederschlagung des Prager Frühlings. Der Mitteldeutsche Rundfunk produzierte 2003 aufwändig ein mehrteiliges Hörspiel „Crusaders/Kreuzfahrer“ mit mehr als 60 Mitwirkenden. Es wurde später auch als CD veröffentlicht.

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