Regina Scheer liest aus Debütroman

Die Berliner Autorin und Schriftstellerin Regina Scheer stellt bei einer Lesung der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft am 19. April in Chemnitz ihren Debütroman Machandel vor. Die Lesung findet im Rahmen der Literaturtage „Leselust“ statt

Regina Scheer. Foto: Marta Mlejnek

In Machandel erzählt die 1950 geborene Autorin eine Familiengeschichte, die sechs Jahrzehnte überspannt. Sie schlägt einen Bogen von den 1930er-Jahren über den Zweiten Weltkrieg, die DDR bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart. Die Familienmitglieder müssen sich in verschiedenen Gesellschaftssystem zurechtfinden, Entscheidungen treffen und diese gegen ihre Angehörigen verteidigen. Die Geschichte über verschlungene Lebensentwürfe, Brüche und die deutsch-deutsche Vergangenheit erzählt die Autorin aus verschiedenen Perspektiven.

Regina Scheer, in Berlin geboren, studierte Theater- und Kulturwissenschaften. Sie arbeitete für die Wochenzeitschrift „Forum“ und die Literaturzeitschrift „Temperamente“. Als freie Autorin schrieb sie Reportagen, Essays und Liedtexte, nach der Wende veröffentlichte sie unter anderem mehrere Bücher zu deutsch-jüdischer Geschichte, unter anderem „Wir sind die Liebermanns“: Die Geschichte einer Familie.

Termin: Lesung mit Regina Scheer am Donnerstag, 19. April in der Neuen Sächsischen Galerie im Kulturzentrum Tietz, Moritzstraße 20, Chemnitz. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Vorverkauf an der Museumskasse im Tietz, Telefon 0371 488 4366.

Vor 85 Jahren: Heym flieht vor den Nazis nach Prag

Unter jenen, die Deutschland im Frühjahr 1933 verlassen mussten, weil sie wegen missliebiger Veröffentlichungen ins Visier der Nationalsozialisten geraten waren, war er mit seinen 19 Jahren der wohl Jüngste: Vor 85 Jahren, nur wenige Wochen nach Hitlers Machtantritt, floh Stefan Heym von Berlin aus Hals über Kopf vor den Nazis in die Tschechoslowakei. Tags zuvor war in seiner sächsischen Heimatstadt Chemnitz nach ihm gefahndet worden. Dort hatte sich der junge Heym (damals noch unter seinem Geburtsnamen Helmut Flieg) bereits als Schüler mit antimilitaristischen Gedichten den Zorn der Nationalsozialisten zugezogen.

Über den verschneiten Kamm des Riesengebirges floh Stefan Heym am Abend des 12. März 1933 vor den Nazis aus Deutschland. Foto: Archiv

Von der Familie zur Flucht gedrängt, fuhr er mit dem Zug von Berlin nach Schlesien und marschierte dort über einen Pass hinauf auf den noch verschneiten Kamm des Riesengebirges, wo die nur mäßig kontrollierte Grenze zur Tschechoslowakei verlief. In Prag vermittelte ihm die Familie des Schriftstellers Egon Erwin Kisch eine erste Unterkunft. Wie lange das Exil dauern würde, war völlig ungewiss. Noch in der ersten Nacht schreibt er vom Nachtpostamt eine Karte nach Hause und nutzt dabei erstmals jenes Pseudonym, das später ganz offiziell sein neuer Name werden sollte: Stefan Heym.

Prag, Mala Stepanska 6: In diesem Haus lebte Stefan Heym während seines Prager Exils 1933-35 zur Untermiete. Foto: M. Müller (2003)

In Prag schreibt er schon bald für die örtliche deutschsprachige Presse, für Emigrantenblätter unterschiedlicher linker Strömungen, gelegentlich auch für Satirezeitschriften und Revuetheater. „Meine Jahre in der Tschechoslowakei, 1933 bis 1935, haben einen großen Einfluss auf meine spätere Arbeit gehabt, besonders da sie für mich auch die ersten Jahre literarischen Schaffens sind“, blickt Heym später zurück.

Nach anderthalb Jahren geht er auf Vermittlung einer jüdischen Studentenverbindung in die USA. Nach Abschluss seines Studiums wird er in New York Redakteur der neu gegründeten antifaschistischen Wochenzeitung Deutsches Volksecho, 1942 erscheint sein erster Roman Hostages. Schauplatz der Handlung ist das mittlerweile von den Nazis besetzte Prag, seine erste Exil-Station. Nach Deutschland sollte Stefan Heym erst zwölf Jahre nach seiner Flucht wieder zurückkehren – mit amerikanischem Pass, in amerikanischer Uniform, auf der Seite der Sieger. 

Lese-Tipp: Seine Flucht aus Deutschland und die Jahre im Exil beschreibt Stefan Heym ausführlich in seiner Autobiografie Nachruf. Zahlreiche, größtenteils kaum bekannte Gedichte aus dieser Zeit sind in dem Band Ich aber ging über die Grenze enthalten.

„Nachruf“ und „Ahasver“ in neuen Ausgaben

Die Verlagsgruppe Random House, zu der Stefan Heyms Hausverlag C. Bertelsmann gehört, bringt mehrere Werke Heyms in neuen Taschenbuchausgaben heraus. Als erste Neuerscheinungen sind für diesen Monat seine Autobiografie Nachruf (1988) und sein Roman Ahasver (1981) angekündigt. Beide Bücher erscheinen im Penguin Verlag und sind auch als E-Book verfügbar. Ahasver ist zudem als Hörbuch zum Herunterladen erhältlich. Erscheinungstermin ist laut Verlag der 12. März. Die Bände kosten jeweils 12 Euro (Deutschland).

Leseproben und weitere Informationen finden Sie hier.

Vor 25 Jahren: Heym gibt sein Archiv nach Cambridge

Die Cambridge University Library verwahrt seit 25 Jahren Stefan Heyms umfangreiches Privatarchiv. Foto: M. Müller

Zu Beginn des Jahres 1993 überraschte die Universität Cambridge mit einer offiziellen Pressemitteilung: Der deutsche Schriftsteller Stefan Heym habe sein umfangreiches Archiv an Schriften, Manuskripten, Erstausgaben, Tonbändern, Zeitungen und Flugblättern kürzlich der Universitätsbibliothek Cambridge übergeben. Das außergewöhnlich umfangreiche und reichhaltige Archiv decke alle Lebensabschnitte Heyms ab, sei sorgfältig gepflegt und geordnet, hieß es. Die Sammlung werde zu einer wichtigen Quelle der akademischen Forschung in Cambridge werden.

Heyms Archiv umfasste damals bereits annähernd 300 Archivboxen und Bände mit literarischen Manuskripten, beginnend mit frühesten Gedichten aus den 1930er-Jahren; ferner etliche Mitschnitte, Abschriften und Belegexemplare von Interviews aus mehreren Jahrzehnten, Zeitungsausschnitte und Kopien von Rezensionen sowie mehrere Zehntausend Briefe. Der Bestand wurde später mehrfach ergänzt, in großen Teilen katalogisiert und steht heute als „Stefan Heym Archive“ für Forschungszwecke zur Verfügung.

In Deutschland hatte die Übergabe des Archivs ins Ausland vor 25 Jahren für Verwunderung gesorgt. Der fast 80-jährige Heym erläuterte seine Beweggründe damals mit Verweisen auf tödliche Brandanschläge gegen Ausländer in Deutschland in den Monaten zuvor. „Ich frage mich manchmal, was in einem Land, wo Menschen lebendig verbrannt werden, dann erst mit Papieren geschehen kann“, äußerte er in den Medien. Tatsächlich hatte er den Transfer des Archivs nach Großbritannien bereits vor dem Fall der Mauer vorbereitet. Stefan Heym hatte Sorge, die Staatssicherheit könne die Papiere nach seinem Tod beschlagnahmen. Den Kontakt zur Universitätsbibliothek in Cambridge hatte sein späterer Biograf Professor Peter Hutchinson vermittelt. Er war an der Universität lange Zeit als Professor für Germanistik tätig und hat sich bereits seit den 1970er-Jahren intensiv mit Stefan Heym beschäftigt.

Zwei Weggefährten Stefan Heyms

Wolfgang Schreyer (1927-2017). Foto: Günter Prust

Horst Hussel (1934-2017). Foto: Peter Thoms

Zwei Wegbegleiter Stefan Heyms sind tot: Am 18. November erlag der Künstler Horst Hussel im Alter von 83 Jahren in Berlin einer schweren Krankheit, nur vier Tage zuvor ist in Ahrenshoop an der Ostsee der Romanautor Wolfgang Schreyer gestorben – wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag. Mit beiden unterhielt Heym seit DDR-Zeiten lange freundschaftliche Beziehungen. Horst Hussel, der als einer der großen Nonkonformisten der DDR galt, illustrierte eine Reihe seiner Erzählbände. Zuletzt hatte er mehrere farbige Collagen für die Ausgabe „Frühe Gedichte“ beigesteuert, die 2013 anlässlich von Stefan Heyms 100. Geburtstag erschien. Wolfgang Schreyer zählte bereits ab den 1950er-Jahren zu den engeren Vertrauten Heyms. Beide standen wegen ihrer kritischen Haltung gegenüber den gesellschaftlichen Zuständen in der DDR unter verschärfter Beobachtung, ihre Wirkungsmöglichkeiten wurden beschränkt. Über seine Beziehung zu Stefan Heym hat Wolfgang Schreyer in mehreren seiner Bücher berichtet, so unter anderem in dem noch zu Heyms Lebzeiten erschienenen „Der zweite Mann“ (2000) sowie in „Ahrenshooper Begegnungen“ (2008).

Erstmals Stefan-Heym-Förderpreise vergeben

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (3.v.r.) mit den Preisträgern Dr. Jürgen Nitsche, Elisabeth Neuhaus (Theresia-Gerhardinger-Gymnasium München), Ronald Langhoff und Annerose Ruschinzyk (Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium Chemnitz), Jörg Beier (Verein Kunstzone Schwarzenberg-Aue), Dr. Ulrike Uhlig und Prof. Bernadette Malinowski (Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft, v.l.n.r.). Foto: Wolfgang Schmidt/Stadt Chemnitz

Im Beisein von Inge Heym sowie zahlreichen Gästen aus Politik und Gesellschaft sind in Stefan Heyms Geburtsstadt Chemnitz erstmals Förderpreise für Vorhaben vergeben worden, die sich mit seinem Leben und Werk auseinandersetzen. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig überreichte die Preise im Gesamtumfang von 20.000 Euro an Vertreter von fünf Projekten. Sie wurden vom Kuratorium des Internationalen Stefan-Heym-Preises für Literatur und Publizistik ausgewählt, mit dem im Frühjahr die polnische Autorin Joanna Bator geehrt worden war.

Um die Förderpreise bewerben konnten sich Einzelpersonen, Institutionen, Initiativen, Vereine sowie private und öffentliche Einrichtungen. Ludwig zufolge waren Bewerbungen aus Deutschland und Großbritannien eingegangen. Als Preisträger ausgewählt wurden

  • das Theresia-Gerhardinger-Gymnasium München, das ein Stefan Heym gewidmetes wissenschaftspropädeutisches Seminar einrichten will,
  • die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft für die Vorbereitung der Etablierung einer Stefan-Heym-Forschungsstelle an der Technischen Universität Chemnitz,
  • der Historiker Jürgen Nitsche für ein Forschungsprojekt zum Verhältnis von Heym und Karl-Marx-Stadt/Chemnitz in den 1960er-Jahren,
  • der Verein Kunstzone Schwarzenberg-Aue für ein Projekt zum Wandel des Begriffs Heimat im Kontext von Stefan Heyms Biografie und dessen Roman „Schwarzenberg“,
  • der Schulförderverein des Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasiums Chemnitz – dem früheren, von Stefan Heym besuchten Staatsgymnasium – für einen Sammelband zu einem seit mehreren Jahren veranstalteten Stefan-Heym-Literaturwettbewerb.

Der Stefan-Heym-Förderpreis wird zusätzlich zum Internationalen Stefan-Heym-Preis der Stadt für Literatur und Publizistik vergeben. Die damit geförderten Maßnahmen sollen bis zur nächsten turnusgemäßen Verleihung des Preises im Jahr 2020 umgesetzt werden.

Vor 75 Jahren: Heyms Debütroman „Hostages“ erscheint

Das Café Manes am Ufer der Moldau in Prag ist Schauplatz des ersten Kapitels von Stefan Heyms 1942 erschienenem Debütroman „Hostages“ (auf Deutsch: „Der Fall Glasenapp“). Foto: Archiv

Das Café Mánes am Ufer der Moldau in Prag ist Schauplatz des ersten Kapitels von Stefan Heyms 1942 erschienenem Debütroman „Hostages“ (auf Deutsch: „Der Fall Glasenapp“). Foto: Archiv

„Es kommt selten vor, dass ein Verlag nach Vorlage von nur zwei Kapiteln einen Buchvertrag unterschreibt. Es kommt noch seltener vor, dass eine Filmgesellschaft nach Einsicht von nur acht Kapiteln die Verfilmungsrechte eines Buches erwirbt. Es ist jedoch kaum jemals vorgekommen, dass ein Verlag als erste Auflage eines Buches 26.000 Exemplare drucken lässt in der festen Überzeugung, dass das Buch ein Best-Seller wird.“ (Der Aufbau“, New York, 9. Oktober 1942)

Der Verlag G. P. Putnam’s Sons sollte nicht enttäuscht werden: „Hostages“, Stefan Heyms erster Roman, wurde ein Bestseller. Vor 75 Jahren, Mitte Oktober 1942, kam das auf Englisch verfasste und innerhalb weniger Monate fertig gestellte Buch in den USA, seit 1935 Heyms Exilland, in den Handel. Seine Handlung ist in der von den Nazis besetzten tschechoslowakischen Hauptstadt Prag angesiedelt, Heyms erster Station nach seiner Flucht aus Deutschland im Frühjahr 1933. Sie erzählt von den Folgen des plötzlichen Verschwindens eines Nazi-Offiziers. Obwohl schnell klar ist, dass der sich das Leben nahm, setzen die deutschen Besatzer eine Gruppe Einheimischer als Geiseln fest und versuchen, den Vorfall wie einen Mord aussehen zu lassen.

20050000 Glasenapp btbDie Kritik reagierte überaus positiv auf den Erstling des 30-jährigen Heym, einer Mischung aus Detektivgeschichte und Lovestory. „Hostages“ werde ohne Frage zu den besten Romanen des Jahres 1942 zu zählen sein, wenn nicht gar einer viel längeren Periode, schrieb beispielsweise Orville Prescott in der „New York Times“. Das Buch sei seiner Ansicht nach der bislang beste Roman über das Leben unter den Nazis; selbst Anna Seghers’ „Das siebte Kreuz“ gebe keine bessere Vorstellung von der kruden Psychologie der Nazi-Tyrannen und dem unerschütterlichen Heroismus ihrer Opfer, so Prescott.

Die Verfilmung des Romans mit Oscar-Preisträgerin Luise Rainer in einer der Hauptrollen kam 1943 in die amerikanischen Kinos. Auf Deutsch erschien das Buch erst Ende der 1950er-Jahre in der DDR, unter dem Titel „Der Fall Glasenapp“. Heym, mittlerweile ein international erfolgreicher Schriftsteller, übertrug den Text selbst in Deutsche und nahm dabei in Teilen der Handlung auch umfangreiche Änderungen vor.

Lese-Tipp Stefan Heym: „Der Fall Glasenapp“. München: btb, 2005. 368 Seiten. ISBN 9783442734559.

Stefan Heym und Irmtraud Morgner im Diskurs

Morgners Anfang der 1960er-Jahre entstandener Roman „Rumba auf einen Herbst“ konnte erst 1992, zwei Jahre nach ihrem Tod, erscheinen.

Morgners Anfang der 1960er-Jahre entstandener Roman „Rumba auf einen Herbst“ konnte erst 1992, zwei Jahre nach ihrem Tod, erscheinen.

Sie wurden beide in Chemnitz geboren und sollten, jeder auf seine eigene Weise, in der Literatur der DDR ihre Spuren hinterlassen: Stefan Heym und Irmtraud Morgner stehen am 17. Oktober im Mittelpunkt einer Veranstaltung im Frauenzentrum Lila Villa in Chemnitz. Mitglieder des dort beheimateten Irmtraud-Morgner-Arbeitskreises lesen Texte der beiden unbequemen Schriftsteller, in denen sie sich mit dem Experiment Sozialismus und Fragen einer echten sozialistischen Gesellschaft auseinandersetzen.

Sowohl Stefan Heym (1913-2001) als auch die 20 Jahre jüngere Irmtraud Morgner machten ab den 1960er-Jahren Erfahrungen mit der Zensur in der DDR. Morgners Romandebüt „Rumba auf einen Herbst“ (1965), das sich wie Heyms etwa zeitgleich entstandener Roman „Die Architekten“ mit den seinerzeit greifbaren Widersprüchen der gesellschaftlichen Entwicklung in der DDR auseinandersetzt, durfte trotz vorheriger Zusage letztlich nicht erscheinen. Beiden Schriftstellern gemein ist zudem ihr späterer Erfolg in der Bundesrepublik. Während Heym dort nicht zuletzt als profilierter Kritiker der Verhältnisse in der DDR wahrgenommen wurde, erwarb Morgner sich als wichtige literarische Stimme der Frauenemanzipation in Ost und West breite Anerkennung.

Die Kooperationsveranstaltung des Frauenzentrums Lila Villa und der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft ist Teil des Rahmenprogramms zur diesjährigen Verleihung des Internationalen Stefan-Heym-Preises der Stadt Chemnitz. Mit dem alle drei Jahre vergebenen Preis wurde im Frühjahr die polnische Autorin und Publizistin Joanna Bator geehrt.

Termin: Dienstag, 17. Oktober, 19.30 Uhr, Frauenzentrum Lila Villa, Kaßbergstraße 22, 09112 Chemnitz. Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 4 Euro. Karten sind unter Telefon 0371 / 302678, per E-Mail unter lilavilla[at]onlinehome.de und kulturbetrieb[at]stadt-chemnitz.de sowie an der Abendkasse erhältlich.

Aufführung: „König David Bericht“ in Ludwigsburg

Der Koenig David Bericht von Stefan HeymStefan Heyms Roman „Der König David Bericht“ kommt erneut als Musiktheater zur Aufführung. Das von Ralph Abelein, Professor an der Musikhochschule Frankfurt am Main, komponierte Stück in zwölf Szenen ist nach seiner Uraufführung zu Pfingsten in Frankfurt am Sonntag in der Stadtkirche Ludwigsburg zu erleben. Die Einrichtung des Textes von Stefan Heym erfolgte durch Helmar Breig, Stuttgart. An der Aufführung wirken unter anderen der Ludwigsburger Motettenchor und der Chor der örtlichen Stadtkirche mit.

Mit Suche nach Wahrheit, dem kritischem Umgang mit der eigenen Tradition, politischem Druck und Verstrickungen, der Standhaftigkeit zum eigenen Gewissen greife Heyms Roman Themen auf, die dessen Protagonisten – den Geschichtsschreiber Ethan – mit den Anliegen Luthers aus dem Jahr 1517 verbinden, so die Initiatoren der Produktion. „Es sind Themen unserer heutigen Zeit, die im Reformationsjahr 2017 auf besondere Weise weiter gedacht und aktualisiert werden wollen.“ Musikalisch setze das Stück auf die Integration verschiedenster Stile. Einflüsse von Pop, Jazz, Klassik und Weltmusik machten es sowohl für von klassischer als auch von Popmusik geprägte Zuhörende interessant.

Zu Ludwigsburg hatte Stefan Heym eine besondere Beziehung: Als Angehöriger der in Deutschland stationierten Einheiten der US-Armee hielt er sich im Sommer 1945 für kurze Zeit auch in der Barockstadt auf. Im Park des Residenzschlosses kam es zu einem Wiedersehen mit dem Sohn seiner damaligen Frau, der ebenfalls in einer Einheit der US-Army diente.

Weitere Informationen unter www.musikanderstadtkirche.de.

Aufführung: Sonntag, 8. Oktober 2017, 18 Uhr: Stadtkirche Ludwigsburg, Stadtkirchenplatz 1, 71634 Ludwigsburg.

Bundesverdienstkreuz für Igor Chramow

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Foto: M. Müller/Archiv

Dr. Igor Chramow (Foto), Übersetzer und Herausgeber mehrerer Werke Stefan Heyms in russischer Sprache, ist mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt worden. Die Auszeichnung nahm der deutsche Botschafter in Russland, Rüdiger von Fritsch, in der südrussischen Stadt Orenburg vor, in der Chramow lebt und arbeitet.

Mit Igor Chramow würdige die Bundesrepublik Deutschland einen Vertreter des russischen gesellschaftlichen Lebens, der sich in beispielhafter Weise um die Entwicklung der deutsch-russischen Kulturbeziehungen und um die Verständigung beider Völker verdient gemacht habe, heißt es zu Begründung. Durch seine Arbeit hätten zahlreiche Menschen in Russland erfahren, dass es auch in Deutschland Widerstand gegen den Nationalsozialismus gab.

Besondere Verdienste hat sich Chramow mit der Erforschung der russischen Wurzeln der deutschen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ und der Lebensgeschichte von Alexander Schmorell erworben, eines ihrer Mitglieder. Mit großem persönlichem Einsatz machte er diesen Widerstandskämpfer, der in Deutschland häufig im Schatten der Geschwister Scholl steht, einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Mit der von ihm gegründeten Eurasia Stiftung sorgte Chramow zudem dafür, dass eine russische Version der Ausstellung „Weiße Rose – Studentischer Widerstand gegen Hitler. München 1942-43“ in bisher mehr als 35 Städten in Russland und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion gezeigt werden konnte.

Igor Chramow ist Mitglied der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft. Er verfasste mehrere Beiträge über Heym und dessen Rezeption in der Sowjetunion und Russland. In den zurückliegenden Jahren organisierte er in Russland die Herausgabe mehrerer Bücher Stefan Heyms und übertrug sie zum Teil selbst in die russische Sprache. Zuletzt erschienen unter seiner Regie Heyms Romane „Der König David Bericht“ und „Ahasver“ sowie die Sammelbände „Immer sind die Weiber weg“ und „Immer sind die Männer schuld“ mit heiteren Erzählungen.