Podiumsdiskussion: Stefan Heym, Heimat und Exil

Stefan Heyms Leben und Werk im Kontext von Heimat, Exil und Migration sind das Thema einer Podiumsdiskussion am 16. Januar in Heyms Geburtsstadt Chemnitz. Die Literaturwissenschaftlerin Therese Hörnigk, der Politikwissenschaftler Sebastian Liebold sowie Michael Müller von der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft gehen dort der Frage nach dem Stellenwert von Heimat und Exil für Stefan Heyms literarisches und politisches Schaffen und Wirken nach. Darüber hinaus sollen allgemeine Aspekte des Themenkreises erörtert werden, etwa die Bedeutung von Sprache und Sprachverlust unter den veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen im Aufnahmeland, Fragen nach dem möglicherweise auch schöpferischen Potenzial von Exil- und Heimaterfahrungen und deren spezifische Ausprägungen auf Literatur. Die Diskussion ist Teil einer Festwoche zum 25-jährigen Bestehen der Philosophischen Fakultät der Technischen Universität Chemnitz.

Termin: Mittwoch, 16. Januar, 18 Uhr, TU Chemnitz, Altes Heizhaus, Straße der Nationen 62. Der Eintritt ist frei. Bereits um 16 Uhr beginnt eine Lesung des syrischen Autors Thaer Ayoub, der seinen Gedichtband „Katharina und Aleppo“ vorstellen wird.

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Zum Tod von Amos Oz

Amos Oz (1939-2018). Foto: Michiel Hendryckx / Wikimedia Commons

Amos Oz (1939-2018). Foto: Michiel Hendryckx / Wikimedia Commons

Im Gästehaus des Internationalen Kunst- und Kulturzentrums Mischkenot in Jerusalem hängen die Fotos von ihnen nebeneinander – Stefan Heym und Amos Oz. Heym starb Ende 2001 während eines Aufenthaltes in Israel. Amos Oz, weltbekannter Schriftsteller und als Israels „Stimme der Vernunft“ international geachtet, erlag nun Ende Dezember 2018 im Alter von 79 Jahren einem Krebsleiden.

Im Frühjahr 2008 war Oz als erster Preisträger mit dem Internationalen Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz ausgezeichnet worden. Der Preis wird von Heyms Geburtsstadt seither alle drei Jahre herausragenden Autoren und Publizisten verliehen, die sich wie Stefan Heym in ihrem Wirken als Persönlichkeiten erwiesen haben, die sich in gesellschaftliche wie politische Debatten einmischen, um für moralische Werte zu streiten.

„Beide – Stefan Heym und Amos Oz – sind gleichermaßen kritische Beobachter und politisch handelnde Bürger“, betonte die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig seinerzeit in ihrem Grußwort zur Preisverleihung. Wie Heym spiegele Oz die große Welt im Kleinen. „Sie schenken uns jene Erkenntnis, die unbedingte Voraussetzung der Wahrheit ist: Unsere Vergangenheit ist Teil unserer heutigen Identität.“

Die damalige Entscheidung der Jury, den erstmals verliehenen Preis Amos Oz zuzuerkennen, sei ihrer Überzeugung nach ganz im Sinne Stefan Heyms gewesen, sagte seine Frau Inge Heym nach Oz’ Tod rückblickend. „Er war ein sehr würdiger und hoch verdienter Preisträger.“ Dr. Ulrike Uhlig, Vorstandsvorsitzende der Internationalen-Stefan-Heym-Gesellschaft äußerte, mit Amos Oz sei eine unersetzliche literarische Stimme Israels verstummt. „Sein Roman Judas hat mich tief bewegt. Ich habe aus ihm sehr viel über das Verhältnis von Israelis und Palästinensern, über die Geschichte des Staates Israel und auch über jüdische Mentalität gelernt.“

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Chemnitz richtet Stefan-Heym-Zentrum ein

Entwurf: Atelier n.4, Barbara Graupner, Flöha / 2017

In Stefan Heyms Geburtsstadt Chemnitz soll bis zum Jahr 2020 ein Stefan-Heym-Zentrum eingerichtet werden. Das hat der Stadtrat einstimmig beschlossen. Herzstück soll die Stefan-und-Inge-Heym-Arbeitsbibliothek sein, die etwa 2000 Bände aus dem Privatbesitz Heyms umfasst. Die Arbeitsbibliothek wird im Kulturkaufhaus Tietz, einem früheren Warenhaus im Herzen der Stadt, attraktiv öffentlich präsentiert und durch ein gläsernes Raum-in-Raum-System gesichert.

„Chemnitz erhält mit der Stefan-und-Inge-Heym-Arbeitsbibliothek nicht nur einen Ort der Würdigung und des Gedenkens an einen der größten Söhne unserer Stadt“, sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. „Die Stadt erhält einen Raum der Zeitgeschichte, in dem Bürger, Schüler, Studierende, Wissenschaftler einen Einblick in das Leben und Wirken Stefan Heyms bekommen. Ich danke Inge Heym für diese wertvolle Schenkung und freue mich darauf, diese historischen Räume bald in Chemnitz sehen zu dürfen.“

Das Stefan-Heym-Zentrum soll Anlaufstelle für Forscherinnen und Forscher werden. Für die Umsetzung des Projekts arbeiten die Stadt und die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft mit der Technischen Universität Chemnitz zusammen.

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Dokumentarstück „Wenn mich einer fragte…“

Das Figurentheater der Städtischen Theater Chemnitz hat in der neuen Spielzeit ein neu entwickeltes Stück über Stefan Heym in sein Programm aufgenommen. Es trägt den Titel „Wenn mich einer fragte…“ und untersucht mit dokumentarischen Mitteln und Puppenspiel das Verhältnis zwischen Stefan Heym und seiner Geburtsstadt Chemnitz. Premiere war am 6. Oktober.

Heym wurde 1913 als Helmut Flieg in Chemnitz geboren. Wegen der Veröffentlichung eines antimilitaristischen Gedichts musste er die Stadt nach Anfeindungen vor allem durch Nationalsozialisten bereits 1931 als Jugendlicher verlassen. Im Frühjahr 1933 floh er vor den Nazis nach Prag, wo er sich sein Pseudonym Stefan Heym zulegte. 1935 emigrierte er in die USA und begann als Journalist, Redakteur und schließlich als Schriftsteller zu arbeiten. Als Soldat der U.S. Army kehrte Heym 1945 erstmals wieder in das zerbombte Chemnitz zurück. Anfang der 1950er-Jahre übersiedelte er in Folge der antikommunistischen Verfolgungen während der McCarthy-Ära schließlich nach Ostberlin, wo er bis zu seinem Tod 2001 lebte.

In dem in Zusammenarbeit mit dem Verein ASF-FF – Netzwerk für globales Lernen und dessen Programm „Neue unentdeckte Narrative“ entwickelten Stück in der Regie von Christoph Werner, dem langjährigen Künstlerischen Leiter des Puppentheaters Halle/Saale, kehren der alte und der junge Heym in Gestalt zweier Puppenfiguren zurück. Sie blicken in ihrer je eigenen Perspektive auf die Stadt und eine Lebensgeschichte, die voller Umbrüche, Widersprüche und Visionen steckt und doch eine gemeinsame ist. Was haben sich der Autor Heym und sein junges Ich zu erzählen? Und was hätten sich Chemnitz und der Mensch Heym heute zu sagen? Zusätzliche Aktualität erfährt das Stück durch die Ereignisse Ende August in der Stadt.

Aufführungen: Schauspielhaus Chemnitz, Kleine Bühne, Zieschestraße 28. Altersempfehlung: ab 15 Jahre. Termine, Tickets und nähere Informationen unter www.theater-chemnitz.de

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Vor 70 Jahren: Heyms Roman „The Crusaders“ erscheint

Die Erstausgabe von „The Crusaders“, erschienen im Herbst 1948 bei Little, Brown and Company in Boston.

Der Verlag war skeptisch: War im Herbst 1948, gut drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, die Zeit tatsächlich schon reif für Romane über den Krieg? Im Fall von Stefan Heyms Epos The Crusaders erwies sich die Sorge letztlich als unbegründet. Der wie seine Vorgänger Hostages (1942) und Of Smiling Peace (1944) auf Englisch geschriebene Roman wurde in den USA, wo Heym seit 1935 lebte, rasch zu einem Verkaufserfolg. Auch im Ausland fand er bald weite Verbreitung und begründete Heyms internationale Anerkennung. Die Gesamtauflage geht in die Millionen; kein anderes Werk Stefan Heyms wurde in Ost und West über Jahrzehnte hinweg so oft gedruckt.

Zeitlich und örtlich orientiert sich die Handlung des Romans deutlich an dem, was Stefan Heym während seiner Zeit als Soldat der US-Armee 1944 bis 1945 in Europa selbst erlebt hat – von der Landung in der Normandie über die Befreiung von Paris, die Eroberung erster deutscher Städte bis zur Ardennenschlacht und dem Tag der Kapitulation. Die beiden Hauptfiguren – der aus Deutschland emigrierte Sergeant Bing und Lieutenant Yates, ein Hochschuldozent in Uniform – weisen ebenfalls Bezüge zu Heyms Biografie auf. Indem Stefan Heym die Handlung über das Kriegsende hinaus gestaltet, zieht er zudem eine kritische Bilanz dessen, was die Alliierten mit ihrem Eingreifen in Europa erreicht haben – und was trotz der Niederlage Nazi-Deutschlands an alten Strukturen erhalten blieb. Damit führt er ein für ihn zentrales Thema literarisch weiter, mit dem er sich seit 1944 bereits immer wieder publizistisch auseinandergesetzt hatte.

Mit der deutschen Übersetzung des Romans, der 1950 in der Bundesrepublik unter dem Titel Der bittere Lorbeer, in der DDR als Kreuzfahrer von heute erschien, wurde Stefan Heym erstmals auch dem deutschen Lesepublikum bekannt. Heinrich Böll bezeichnete den Roman noch Anfang der 1970er-Jahre als „eines der besten und beständigsten Kriegsbücher“. Mehrere Anläufe zu Verfilmungen scheiterten jedoch aus politischen Gründen: Zunächst in den USA wegen der einsetzenden Kommunistenverfolgungen unter Senator McCarthy, in der DDR wenig später angesichts des Kalten Krieges, in der Tschechoslowakei nach der Niederschlagung des Prager Frühlings. Der Mitteldeutsche Rundfunk produzierte 2003 aufwändig ein mehrteiliges Hörspiel „Crusaders/Kreuzfahrer“ mit mehr als 60 Mitwirkenden. Es wurde später auch als CD veröffentlicht.

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Aus aktuellem Anlass

Stefan Heym war ein Schriftsteller, ein Publizist, ein Mensch, der nie schwieg, der sich nicht rausgehalten hat, wenn die Demokratie auf dem Prüfstand stand. Auch wir tun das nicht.

Seien Sie versichert, wir stehen ein für ein gewaltfreies, menschliches und buntes Chemnitz. Wir wenden uns vor allem auch an unsere Mitglieder in Russland, den USA, in Schweden, Österreich und Großbritannien, die die Ereignisse in Stefan Heyms Geburtsstadt, genau wie wir, mit großer Sorge verfolgt haben werden.

Es gibt in Chemnitz ein breites Netzwerk von engagierten Bürgern, Unternehmern, Wissenschaftlern und Künstlern, das sich gegen Hass, Gewalt und Intoleranz formiert. Wir, die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft, gehören dazu. Seit Jahren lesen wir die frühen Gedichte Stefan Heyms, die sich gegen Krieg und Verfolgung wenden – in Chemnitz, in Düsseldorf, in Schwarzenberg, – überall, wo man sie hören will, wir gestalten Theaterprojekte mit und unterstützen den Stefan-Heym-Wettbewerb für junge Literatur.

Erst am vergangenen Dienstag wurde uns durch Gerald Richter, dem Sprecher der Chemnitzer Bürgerinitiative Aktion C für Frieden und Toleranz, ein Projekt für eine Grafic Novel, die sich mit dem Leben Stefan Heyms beschäftigen wird, vorgestellt. Selbstverständlich unterstützen wir solch ein Vorhaben, jungen Menschen das Leben und Werk Heyms nahezubringen.

Stefan Heym zu lesen, bedeutet, sich mit Demokratie, mit Werten des gesellschaftlichen, des menschlichen Miteinanders auseinanderzusetzen. Was wir seit einiger Zeit immer wieder hören: Seine Bücher seien erschreckend aktuell.

Der Vorstand und Programmbeirat der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft bedanken sich bei ihren Mitgliedern. Ihre Mitgliedschaft ist ein Statement für Demokratie, Toleranz und gesellschaftliche Verantwortung.

„Chemnitz ist weder grau noch braun“ ist eine Aktion engagierter Chemnitzer Bürger, Unternehmer und Wissenschaftler. Weitere Infos unter wedergraunochbraun.de.

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Vor 50 Jahren: Stefan Heym und der „Prager Frühling“

Prag 1968: Panzer und Militärfahrzeuge auf dem Altstädter Ring. Foto: Alexander Alexejew

Mit dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Vertrages endete im August 1968 eine kurze Periode politischer Reformen in der Tschechoslowakei, die Stefan Heym wie viele Sozialisten seinerzeit mit großen Sympathien verfolgt hatte. Heym fühlte sich seit den ersten Jahren seiner Emigration, die er von 1933 bis 1935 in Prag verbracht hatte, sehr verbunden und hatte dort viele Freunde. Die Tschechoslowakei wurde zum Handlungsort zweier seiner zeitgenössischen Romane – Hostages (1942, dt.: Der Fall Glasenapp) und The Eyes of Reason (1951, dt.: Die Augen der Vernunft).

Vorboten des „Prager Frühlings“ hatte Stefan Heym, der nach dem 11. Plenum des SED-Zentralkomitees Ende 1965 in der DDR in Ungnade gefallen war, bereits während eines Aufenthaltes in der ČSSR um den Jahreswechsel 1966/67 wahrgenommen. Das tschechoslowakische Staatsfernsehen erwog damals eine Verfilmung seines Weltkriegsromans The Crusaders (1948, dt.: Kreuzfahrer von heute / Der bittere Lorbeer). Das Projekt blieb infolge der Niederschlagung der Reformbewegung unverwirklicht.

Die dramatischen Ereignisse in Prag verfolgte Stefan Heym von Berlin aus, während der Niederschrift seiner Novelle Die Schmähschrift oder Königin gegen Defoe, inmitten einer Phase intensiven Schaffens, die mit zunehmenden Sorgen im Alltag einherging. Sowohl seine Frau Gertrude als auch seine Mutter waren schwer krank; beider Leben endete im Laufe der folgenden Monate. Laut Heyms Autobiographie Nachruf telefonierte er noch in der Nacht vor der von ihm bereits befürchteten Intervention mit Bekannten in Prag. Die Frau Hanuš Burgers, eines Weggefährten aus den 1930er-Jahren, der mit ihm gemeinsam das Kindertheaterstück Tom Sawyers großes Abenteuer (1934) verfasst und im Zweiten Weltkrieg wie Heym in der Psychological Warfare der US Army gedient hatte, schilderte ihm die Lage. Burger selbst hielt sich gerade zu Dreharbeiten in Ostrava auf. Am nächsten Morgen rollten Panzer der sowjetischen Armee und ihrer Verbündeten durch das Land.

Angesichts der Reformunwilligkeit der herrschenden Parteien in Osteuropa plädierte Stefan Heym in den folgendenen Jahren mehr und mehr für einen dritten Weg zwischen Ost und West. Am deutlichsten formulierte er diesen Ansatz in seinem Roman Schwarzenberg aus, der 1984 erschien.

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Vortrag über Stefan Heyms Zeit in den USA als Podcast

Prof. Mario Keßler bei seinem Vortrag in Berlin Ende Mai 2018. Foto: Michael Müller

Stefan Heyms amerikanische Jahre von 1935 bis 1951 waren im Frühjahr 2018 Thema eines Vortrags von Professor Dr. Mario Keßler, Historiker am Zentrum für zeithistorische Forschung in Potsdam. In einer Veranstaltung der Reihe „Literatur und Gesellschaft“ des Vereins „Helle Panke“ und der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin zeichnete er Heyms Werdegang in den 1930er- und 1940er-Jahren nach – vom politisch verfolgten Flüchtling aus Deutschland zu einer markanten Figur des antifaschistischen Exils und erfolgreichen Schriftsteller. Ein gut eineinhalbstündiger Mitschnitt des Vortrags kann nunmehr über die Plattform Soundcloud als Podcast nachgehört und heruntergeladen werden.

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Veranstaltung: Stefan Heym und John Heartfield

John Heartfields Sommerhaus in Waldsieversdorf (Brandenburg). Foto: Häven / Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Mit Stefan Heym als Weggefährten John Heartfields beschäftigt sich am 25. August eine Veranstaltung im Heartfieldhaus in Waldsieversdorf (Brandenburg). Der junge Stefan Heym lernte den vor allem für seine Fotomontagen berühmten, mehr als zwanzig Jahre älteren Künstler John Heartfield (1891-1968) während seiner ersten Jahre des Exils in Prag kennen, wohin beide vor den Nationalsozialisten geflohen waren. Heartfields Bruder, der Verleger Wieland Herzfelde, war dort eine der zentralen Figuren der antifaschistischen Emigration. 1944 begegneten sich Heym und Heartfield erneut. Diesmal in London, wo sich Stefan Heym als Soldat der US-Armee auf die Landung der alliierten Truppen in Europa vorbereitete. Später bemühte sich Heym in der DDR um eine angemessene Anerkennung von Heartfields künstlerischem Lebenswerk und forderte öffentlich dessen Aufnahme in die Akademie der Künste.

Mitwirkende der von Eva Maleck-Lewy konzipierten und moderierten Veranstaltung sind die Schauspielerin und Dramaturgin Gabriele Gysi, die Texte Stefan Heyms vortragen wird, die Jazz-Musikerin Ruth Hohmann sowie der Pianist Lukas Natschinski.

Termin: Samstag, 25. August 2018, 15 Uhr, John-Heartfield-Haus, Schwarzer Weg 12, 15377 Waldsieversdorf. Weitere Informationen unter www.heartfield.de.

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Vor 65 Jahren: Stefan Heym bricht mit den USA

Meldung der „Berliner Zeitung“ vom 17. April 1953.

Im Frühjahr 1953 bekommt US-Präsident Dwight D. Eisenhower Post aus Ostberlin. Der Absender: Stefan Heym, amerikanischer Schriftsteller, in Deutschland geboren, Reserveoffizier der U.S. Army. Anlage: Dessen Militärorden „Bronze Star Medal“, der ihm nach der Ardennenschlacht 1944 verliehen worden war, und sein Offizierspatent. Er könne nicht länger einer Armee zur Verfügung stehen, erläutert Heym in einem kurzen Begleitschreiben, „die an einem solchen Krieg teilnimmt, wie ihn jetzt die Vereinigten Staaten in Korea führen“.

Mit dem Brief und einer zeitgleich in der Presse verbreiteten Erklärung macht Stefan Heym seinen Bruch mit den USA öffentlich. Zwei Jahre nach seiner Flucht aus Deutschland 1933 war er auf Einladung einer jüdischen Studentenverbindung zum Studium zunächst nach Chicago gegangen. Später leitete er in New York die antifaschistische Wochenzeitung Deutsches Volksecho; 1942 gelang ihm mit seinem Debütroman Hostages in den USA der Durchbruch als Schriftsteller. Ab 1943 diente Heym in der US-Armee und nahm nach der Landung in der Normandie als Soldat einer Einheit für „psychologische Kriegsführung“ an der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus teil.

Angesichts der Verfolgungen linker Intellektueller unter Senator Joseph McCarthy hatten Heym und seine Frau Gertrude die Vereinigten Staaten Anfang der 1950er-Jahre verlassen. Nicht zuletzt sein 1951 erschienener Roman The Eyes of Reason (dt. Die Augen der Vernunft) über die politischen Umwälzungen in der Tschechoslowakei 1947/48 hatten den Schriftsteller ins Visier geraten lassen. Dass die Heyms schließlich in der DDR landen würden, war zunächst keineswegs ausgemacht. In mehreren osteuropäischen Staaten waren aus dem Exil zurückgekehrte Westemigranten, zumal solche jüdischer Abstammung, in jener Zeit unter fingierten Vorwürfen in Schauprozessen verurteilt und zum Teil hingerichtet worden. Die Führung der DDR aber erklärte sich schließlich bereit, Heym und dessen Frau politisches Asyl zu gewähren. Die USA, deren demokratische Traditionen Stefan Heym lange Zeit schätzte, besuchte er erstmals Ende der 1970er-Jahre wieder.

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